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Judo-Lexikon

16.04.2010  
Vier Fragen an Gerhard Fleißner und Raimund Kronawitter
von Bezirkspressereferent Otto Heyder

Von ober- und unterfränkischen Judokas ist nicht selten zu hören, sie seien gegenüber den Südbayern sowohl hinsichtlich Trainingsmöglichkeiten und –angebot, als auch bei Veranstaltungen des BJV, beispielsweise Kaderlehrgängen, Jugendcamps oder sonstigen Fördermaßnahmen benachteiligt, würden geradezu stiefmütterlich behandelt. Ein Blick in die Teilnehmerlisten von BJV-Maßnahmen oder Ergebnislisten von Landes- und Gebietsmeisterschaften scheint dies zu bestätigen, denn dort sind nordbayerische Judokas nur weit unterdurchschnittlich vertreten.

Im Hinblick auf die bevorstehenden Neuwahlen beim BJV-Verbandstag am 01.05.10 in Rosenheim daher folgende Fragen:
 

1) Stimmt die Aussage, dass der Norden Bayerns gegenüber dem traditionell starken Süden einen Nachholbedarf hat oder handelt es sich um eine –unzutreffende- bloß subjektive Einschätzung?
Gerhard Fleißner:
Bevor ich auf die Fragen eingehe, darf ich einige grundsätzliche Erläuterungen zur Gesamtsituation in den letzten 10 – 15 Jahren abgeben.

Der Bundesstützpunkt München, getragen durch den TSV Großhadern, hat sich seit Jahrzehnten mit hervorragenden Trainern und daraus folgernd mit tollen Erfolgen einen Namen gemacht. Hier können sich nicht der Deutsche Judo-Bund oder der Bayerische Judo-Verband mit den Lorbeeren schmücken, das war überwiegend der Erfolg der Großhaderner in der Vergangenheit.

Des Weiteren hat sich im Süden mit dem TSV Abensberg ebenfalls seit Jahrzehnten ein Verein mit hervorragender Nachwuchsarbeit sehr stark entwickelt. In den letzten Jahren gab es in Abensberg die Partnerschule des Leistungssports und später die Eliteschule des Sports. Auch hier weitestgehend der Erfolg der Abensberger.

Mit Blick vor allem auf die Olympischen Winterspiele im 21. Jahrhundert hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) auf eine Zentralisierung der Bundesstützpunkte gedrungen. Dem Deutschen Judo-Bund ist es schließlich gelungen, vier Bundesstützpunkte (Köln, Leipzig, Berlin und Frankfurt/Oder) und drei Bundesstützpunkte Nachwuchs (München, Hannover und Sindelfingen) zu erhalten. Das ist der aktuelle Stand bis einschließlich 2012. An allen vorgenannten Bundesstützpunkten (BSP) konzentrieren sich die Trainer (Bundestrainer, OSP-Trainer, Lehrertrainer und Landestrainer) und weitestgehend die Bundeskaderathleten.

Die Judo-Landesverbände mit einem BSP sind in Zusammenarbeit mit ihren Partnern (OSP, DJB, BLSV und DOSB) gehalten, sog. Regionalkonzepte jeweils für die folgende „Olympia-Periode“ zu erstellen. Danach werden die BSP wieder für vier Jahre bestätigt und Judo wird zur Schwerpunktsportart am Olympiastützpunkt (in Bayern am OSP Bayern) ernannt. Daraus und aus der sog. LA-L-Punktetabelle ergeben sich die Förderungen für die Judoka, allerdings nur über den Landesverband, also dem Bayerischen Judo-Verband. In Bayern gibt es keine Individualförderung durch das Bundesland Bayern (Staatsministerium für Unterricht und Kultus) oder den BLSV für Athleten. Dies läuft ausschließlich über den jeweiligen Sportfachverband. Im Umfeld eines BSP sollen natürlich auch die Möglichkeiten wie z.B. Eliteschule des Sports, Haus der Athleten, Kooperationen mit Hochschulen u.v.a.m. gegeben sein. Die Mitarbeiter des OSP Bayern arbeiten in vielen Bereichen u.a. für die Bundeskaderathleten des Bayerischen Judo-Verbandes. Kernbereiche sind die Betreuung der Athleten in: Physiotherapie, medizinischer Hinsicht, trainingsbegleitende Unterstützung, schulische Entwicklung, Unterstützung in beruflichen Fragen sowie für das Hochschulstudium.

Aus den vorgenannten Gründen ist der Bayerische Judo-Verband gehalten, möglichst alle Athleten mit einer Perspektive auf eine internationale Karriere letztendlich bzw. nach der Nominierung in den Bundeskader an den Bundesstützpunkt Nachwuchs München zu bringen.

Als ich 1996 Vizepräsident im Bayerischen Judo-Verband wurde und u.a. für den Leistungssport verantwortlich war, gab es in Bayern den BSP München, das NLZ Abensberg und in Nordbayern zwei Landesstützpunkte (LSP) jeweils einer in Unterfranken und in Mittelfranken. Nach einer entsprechenden Evaluation wurde festgestellt, dass die beiden nordbayerischen LSP fast ausschließlich „Vereinsarbeit“ mit finanzieller Unterstützung des Verbandes betrieben.

In den Jahren 1998/1999 arbeitete ich daran, mit Klaus Greiner und Hendrik Schumacher, in Nordbayern ein „erweitertes Stützpunktsystem“ aufzubauen: Nordbayernrandoris mit Techniktraining und eine neue Stützpunktstruktur waren in der Planung.

Nahezu zur gleichen Zeit schloss der Bayerische Judo-Verband den Vertrag mit dem Regierungsbezirk Mittelfranken und der Stadt Nürnberg bzgl. einer Teilnahme am System der Partnerschule des Leistungssports an der Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg (BBS). Dieser Vertrag wurde 2009 aktualisiert und neu abgeschlossen. Auch der Bayerische Judo-Verband nutzt diese Chance für Athleten in Nordbayern.

Nun zur ersten Frage:

Nordbayern vertrat schon immer die Meinung, dass der Süden „bevorzugt“ wird. Und das hat sich, so glaube ich, bis heute nicht geändert. Man hat über viele Jahre nach Süden geblickt, ohne den Ehrgeiz aufzubringen, Vergleichbares zu schaffen.

Aus zeitlichen Gründen belege ich meine nachfolgende Aussage nicht mit Zahlen:

Die Athleten und Athletinnen aus Nordbayern sind bis einschließlich der bayerischen Meisterschaften im Verhältnis zu den Mitgliederzahlen in der Summe in manchen Jahren erfolgreicher als die Südbayern. Ab den süddeutschen Meisterschaften und vor allem bei den Deutschen und Internationalen Meisterschaften und Turnieren wendet sich das Blatt sehr deutlich zu Gunsten Südbayerns. Sicher auch eine Folge der positiveren Entwicklung der beiden hochengagierten Stützpunkte Abensberg und Großhadern.

Raimund Kronawitter:
Wir haben sicherlich im BJV ein gewisses Nord-/Süd-Gefälle, das augenscheinlich auch in Nordbayern noch als solches besonders wahrgenommen wird.

Ich denke jedoch, dies lässt sich nicht pauschalieren, sondern sollte im Einzelfall z.B. Bezirk für Bezirk genau betrachtet werden. Es bleibt auch unbestrittene Tatsache, dass der „Norden“ im Vergleich zum „Süden“  die geringeren Mitglieder hat und durch seine geografische Lage zu dem, für den BJV eindeutig definiertem Zentrum Großhadern (Bundesstützpunkt und Landesleistungszentrum) schon allein aus der räumlichen Entfernung einen gewissen Nachteil in Kauf nehmen muss.

Das bedeutet, dass gemäß den BJV Strukturen alle leistungsorientierten Judokas mit Ziel Bundeskader am Bundesstützpunkt in München trainieren müssen. Dass dort mittlerweile aber auch vermehrt nordbayerische Judokas in den Trainingseinheiten zu finden sind, kann ich z.B. für die Oberpfalz mit gewissem Stolz feststellen.

Bei Bayerischen Meisterschaften haben wir  im Bereich der U14 mittlerweile ein sehr ausgeglichenes Ergebnis zwischen  Nord und Süd. Defizite sind derzeit nur noch bei der U17/U20 festzustellen, die m.E. jedoch auch bald der Vergangenheit angehören werden. 

 

1)    2) Gibt es ein Süd-Nord-Gefälle in Bayern hinsichtlich Trainingsmöglichkeiten, Ausbildung und damit korrespondierend Wettkampferfolgen der Nachwuchsjudokas?

Gerhard Fleißner:
Mit den Stützpunkten in Großhadern und Abensberg (= reine Judo-Dojos) haben die Südbayern zwei Topstützpunkte in ihrem regionalen Umfeld. Zudem bietet natürlich eine Großstadt wie München weitere Vorteile, wenn es darum geht am Stützpunkt zu trainieren. Kurze Wege mit der S-Bahn oder der U-Bahn sind hier ein Vorteil.

Des Weiteren arbeiten an den beiden Stützpunkten mit Peter Dremow, Iwan Radu (beide Abensberg), Lorenz Trautmann und Ralf Matusche (beide Großhadern) sowie den Bundestrainer Richard Trautmann hervorragende hauptamtliche Trainer mit internationaler Erfahrung. Hier nur mal der Hinweis, dass die drei Trainer am BSP München auch in Großhadern „groß“ geworden sind.

Eine auch nur annähernd vergleichbare Entwicklung in Nordbayern gab und gibt es nicht!

Der oft gehegte Gedanke, im Großraum Erlangen / Fürth / Nürnberg etwas Ähnliches zu schaffen, konnte nie mit Leben erfüllt werden.

 

Raimund Kronawitter:
Die Oberpfalz ist wie die „Franken“ einer von 4 Bezirken von Nordbayern und ich kann hier als Bezirksvorsitzender die letzten 10 Jahre besonders intensiv überblicken. Dabei stelle ich fest, dass es sicherlich ein Nord-Süd Gefälle ergibt, wenn man z.B. die Medaillenspiegel der Meisterschaften betrachtet.

Aber ich erkenne auch, dass sich die Situation in der letzten Zeit verbessert hat. Der so wahrgenommene „Nachholbedarf“ des Nordens gegenüber dem Süden ist zwar noch in Teilen erkennbar, es lassen sich vermehrt jedoch auch nordbayerische Judokas finden, die den BJV auf nationaler und internationaler Ebene vertreten. Ich kann für die Oberpfalz hier z.B. die Deutschen Meister der letzten Zeit Regine Hübner, Emily Dotzler oder Alexandra Klar als Beispiel für die Leistungskurve der Oberpfalz nennen.

Dies ist nicht allein ein Verdienst des Bezirks, dies ist u.a. auch zurückzuführen auf die Arbeit des BJV – hier insbesondere der Vizepräsidentin Bianca Mederer –  und die geschaffenen strukturellen Trainingsmöglichkeiten. 

Ich darf hier die geschaffenen Regionalstützpunkte in Nordbayern (Hof, Bamberg, Altdorf, Höchberg, Kümmersbruck), den speziell in Nordbayern engagierten Landestrainer Jan Schmidt, die Nordbayern-Randoris, die Bertold-Brecht-Schule in Nürnberg etc. nennen, die alle unter der Verantwortung von Bianca in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen wurden und ein vielfältiges Angebot für unsere nordbayerischen Leistungs-/Potential-Judoka bieten.

Es ist jedoch unbestritten, dass ggf. in Nordbayern die Wege weiter, der Aufwand größer und die Mühen verstärkter sind und deshalb insgesamt ein nachteiliges Bild bei den Vereinen entsteht.

1)    3) Sollte dagegen etwas unternommen  werden, ggf. was?
Gerhard Fleißner:
Seit ca. 2000 wurde und wird dagegen etwas unternommen:

An der BBS wird täglich von 08.00 – 09.45 Uhr trainiert. Als Trainer waren u.a. so bekannte Judoka wie Andreas Grünewald, Jörg Bischoff und Udo Quellmalz im Einsatz. Das Problem war in den vergangenen Jahren, dass die vorgenannten Trainer aus verschiedenen Gründen die Athleten bei den Wettkämpfen und Trainingscamps nicht betreuen konnten. Die Vereine, aus denen die Athleten kamen, arbeiteten nicht immer „in die gleiche Richtung“.

Das hat sich erst seit Oktober 2008 geändert. Der Bayerische Judo-Verband hat mit Jan Schmidt einen hauptamtlichen Trainer eingestellt, der zusätzlich zu seiner Funktion als Landestrainer für die männliche U17 Bayerns, in Nordbayern die Trainingsstunden an der BBS und an den nordbayerischen Stützpunkten abhält. Die Athleten an der BBS werden auch in enger Zusammenarbeit mit den Vereinstrainern von Jan Schmidt betreut.

Von Oktober 2008 bis Ende 2009 wurde an folgenden Stützpunkten in Nordbayern in der Regel zweimal pro Monat mit Jan Schmidt trainiert:
a) Nachwuchslandesstützpunkt Altdorf in Mittelfranken
b) Regionalstützpunkte Aschaffenburg und Höchberg in Unterfranken
c) Regionalstützpunkte Bamberg und Hof in Oberfranken
d) Regionalstützpunkt Kümmersbruck in der Oberpfalz

Daraus lässt sich ableiten, dass gerade die Bezirke Unter- und Oberfranken mit nahezu wöchentlichem Stützpunkttraining mit dem Landestrainer Jan Schmidt sehr gut ausgestattet waren.

Ab Anfang 2010 wurde durch die Verantwortlichen für Nordbayern (B. Mederer und J. Schmidt) ein „zentralisiertes System“ eingeführt:

Die Regionalstützpunkte (RSP) Aschaffenburg und Bamberg werden nicht mehr von Jan Schmidt als Trainer betreut. Die Trainingseinheiten an den anderen Regionalstützpunkten werden monatlich durchgeführt.

Jeweils am Dienstag und Mittwoch führt Jan Schmidt in Nürnberg für geeignete und leistungswillige Athleten mit Perspektive am Nachmittag ein Spezialtraining durch.

Das wöchentliche Stützpunkttraining am Donnerstag am Nachwuchslandesstützpunkt Altdorf wird weiter durchgeführt.

Am RSP Bamberg leitet seit Anfang des Jahres Hendrik Schumacher, der ab nächster Woche zeitweise von Florian Wanner unterstützt wird, jeweils am Dienstag das Stützpunkttraining.

Mit Ablauf des Jahres 2010 muss dieses „neue System“ evaluiert werden und ggf. umorganisiert und auf die Bedürfnisse der Athleten zugeschnitten werden. D.h., die Stützpunktarbeit muss auf die vorhandenen leistungswilligen Athleten ausgerichtet werden. Die Voraussetzungen, Trainingsort und Trainingszeit müssen grundsätzlich die Bezirke schaffen.

Raimund Kronawitter:
Ich denke, es ist schon allein die Tatsache, dass dieser Unterschied wahrgenommen wird, der erste Schritt daran zu arbeiten.

Dies ist in den letzten Jahren bereits wie schon erwähnt geschehen. Nur die Schaffung von Möglichkeiten allein ist nicht ausreichend. Es muss uns gelingen, unsere leistungsorientierten Sportler und deren Vereinstrainer vermehrt in die angebotenen Möglichkeiten zu integrieren und die Teilnahme fördern.

Wenn man als Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung von Möglichkeiten z.B. den Stützpunkt TV Altdorf nimmt; dort sind mittlerweile die Trainingskapazitäten bei den Stützpunkt-Trainings nahezu ausgeschöpft. Solche Erfolge sollten beispielgebend für andere Stützpunkte sein.

Das Engagement der jeweiligen Trägervereine muss vom Verband unterstützt und gefördert werden. Die örtlichen Stützpunkt-Trainer sind vermehrt und verstärkt in die Verbandsarbeit zu integrieren.

Aber auch die Vereinstrainer sind aufgefordert Ihre „Vereinsbrille“ im Sinne ihrer Sportler aufzugeben und sich für „überregionale“ Zusammenarbeit zu engagieren.

4) Welche Ideen haben Sie, um leistungswillige Judokas aus Nordbayern angemessen zu fördern, ohne dass diese regelmäßig aufwändige Fahrten zum Training z.B. nach Abensberg oder Großhadern unternehmen müssen (wie es derzeit einige tun)?
Gerhard Fleißner:
Der Trainer eines leistungswilligen Athleten und vor allem eines leistungswilligen Athleten mit Perspektive muss erkennen, ab wann der Athlet aus dem Vereinstraining zu einem Stützpunkt fahren sollte, um entsprechende Trainingspartner zu haben. Das geht auch nicht ohne Einbeziehung der Eltern.

Jährliche Abstimmung bei der Betreuung der RSP in Nordbayern auf die Athleten. D.h. Stützpunkttraining, das durch Trainer des Bayerischen Judo-Verbandes gehalten wird, darf nur dort stattfinden, wo auch leistungswillige Athleten heranwachsen.

Kooperation von Verein, Bezirk und Verband bei einer ggf. möglichen finanziellen Unterstützung der Athleten bei Fahrten zu Stützpunkten.

Seit ca. zwei Jahren werden in Einzelfällen Eltern, die ihre Kinder (= Bundeskader) regelmäßig an den BSP zum Training fahren, durch den Bayerischen Judo-Verband und durch den „Judo-Förder-Verein Bayern“ finanziell unterstützt.

Fortführung der finanziellen Unterstützung bei einer Unterbringung im Haus der Athleten in München, die seit Jahren läuft. 

Ich darf allerdings auch darauf hinweisen, dass der Bayerische Judo-Verband keine „eigene Nordbayernförderung“ aufbauen kann. Nordbayern ist kein „Notstandsgebiet“. Für die Nordbayern besteht in Nürnberg an der BBS die Möglichkeit z.B. Schule und Leistungssport in Einklang zu bringen. Die Förderung nordbayerischer Athleten ist nur in enger Zusammenarbeit innerhalb der Bezirke und innerhalb Nordbayerns und vor allem nur mit einer einheitlichen Begriffsauslegung „leistungswillig" bzw. „Leistungssport“ möglich. Die Basis bilden hier eine gute Arbeit im Lehr- und Prüfungswesen in allen bayerischen Bezirken. Nur darauf können wir aufbauen. Ohne Basisarbeit, sprich Breitensport, wird es keinen Leistungssport geben.

Am 10. und 17. März 2010 forderte das Staatsministerium für Unterricht und Kultus (KM) in Besprechungen an der Eliteschule des Sports in München (Isar-Gymnasium) und an der Partnerschule des Leistungssports an der BBS Nürnberg, dass die Sportfachverbände erst mal Vorleistungen dahingehend erbringen, dass mindestens 40 % der Leistungssportler an Eliteschulen des Sports bzw. an Partnerschulen des Leistungssports unterrichtet werden müssen, bevor das KM Voraussetzungen für Leistungssportler schafft.

Gleiches sollte für uns in Nordbayern gelten:

Der Athlet, der Verein und der Bezirk müssen Voraussetzungen schaffen und nicht darauf warten bis der Bayerische Judo-Verband ein System einrichtet und dann davon ausgeht, dass nun alles bestens läuft. Der Bayerische Judo-Verband kann seine Förderung nur auf ein funktionierendes Stützpunktsystem in Nordbayern mit deutlich mehr Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene aufbauen.

Des Weiteren mehren sich die Forderungen der Bundestrainer, dass Athleten an zentralen BSP zu trainieren haben, z.B. in Köln oder in Berlin.

Letztendlich gilt:

Für die bayerischen Athleten, die D-Kaderathleten, muss es ein transparenteres und nachvollziehbares Förderkonzept bzgl. der Trainingsmaßnahmen geben. Bisher werden überwiegend die Spitzenkaderathleten in Trainingsmaßnahmen eingebunden. Hier muss es eine Förderung der „zweiten und dritten“ Ebene geben, die natürlich vom Verband (Trainer) und von den Eltern/Vereinen (z.B. Fahrtkosten) finanziert werden muss.

Raimund Kronawitter:
Auch hier wieder ein Beispiel aus der Oberpfalz. Wir bieten neben dem regelmäßigen Training am Regional-Stützpunkt Kümmersbruck auch Lehrgänge für Trainer und unser Bezirkskader an, die von Trainern aus den Leistungszentren durchgeführt werden.

Zum einen sicherlich um die judospezifische Ausbildung zu fördern, aber auch um Netzwerke zu den Landes-Trainern zu schaffen, die auch über größere Entfernungen hinweg eine gemeinsame Arbeit im Sinne der Förderung unser Top-Judokas der Oberpfalz verbessern. Diese Erfahrungen und Erkenntnisse würde ich gerne mit den anderen Nordbayerischen Bezirken besprechen, um in Zusammenarbeit mit dem Verband ggf. ähnliche Bezirks-Maßnahmen aufzusetzen und zu unterstützen.

Dennoch bleibt trotz aller in Nordbayern vorhandenen Angebote und der notwendigen Verbesserungen unbestritten, dass der Verband in der derzeitigen Ausrichtung letztendlich jedem, für den Bundeskader vorgesehenen, Athleten ein Training bzw. die Integration in den Bundesstützpunkt Großhadern anraten muss. Und um es auch deutlich zu sagen, der TSV Großhadern erbringt hier eine gute Leistung. Solche grundsätzlich und langjährig angelegten Strukturen lassen sich – sollte man es ggf. andenken – aber auch nicht von heute auf morgen ändern und bedürfen im Falle einer ggf. andersartigen Entscheidung einer intensiven Vorbereitung und Diskussion mit dem Dachverband und allen anderen Beteiligten.

Im Hinblick auf die Außenwirkung bleibt jedoch die Frage ob die Athleten z.B. den Verein wechseln müssen, damit unter der „Flagge“ Großhadern starten und dadurch unter Umständen ein etwas falsches Bild abgeben wird. Dies ist sicherlich einer gemeinsamen Diskussion würdig, bleibt jedoch letztendlich der Entscheidung des Athleten überlassen

Lassen Sie uns aber bitte bei all dieser sicherlich auch gerechtfertigten Diskussion eines nicht vergessen, wir sind EIN Landesverband und unsere Sportler – egal ob aus dem Süden oder Norden – vertreten DEN Bayerischen Judo-Verband und damit uns alle. Und dieses Gemeinschaftsgefühl sollte uns leiten bei den Bemühungen unsere Judoka in Ihrem Bemühungen zu unterstützen und nicht ein vielleicht gepflegtes „Vereins-, Bezirks- oder Regions-Ego“.

 

 Herzlichen Dank!